benedikt steiner

index of works

blog

1.2.23
weite entsteht erst im verhältnis
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22.1.23
„durch das nadelöhr seines ichs muss er hindurch ins allgemeine.“ (hilde domin)
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10.1.23
tonnenweise tote tannen
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6.1.23
12 grad anfang januar, kurz vor dämmerung. zwei krähen sitzen nah beieinander im kahlen geäst; sitzen einfach da, blicken umher. stille. ab und an scheinen sich ihre schnäbel zu berühren. oberhalb flattert eine erste fledermaus, ich höre ein flugzeug in den wolken verschwinden
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27.12.22
wissensinseln statt bildungslücken
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5.12.22
bergdörfer voll hortensien
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3.12.22
potentiell die ganze welt in sich abbilden zu können
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29.11.22
vor & rücksicht
um & nachsicht
kurz & weitsicht
dazu etwas einsicht –
mehr bräucht es nicht
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23.11.22
leere
als boden

ungewiss behaust

getragen 
im offen
weit umgrenzt
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21.11.22
himmelsrippen
nachthellgewölk, ziehend

freiraum sterne

nichts zu hören
obwohl großstadt

nichts

ist

da draußen
irgendwas großes
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20.11.22
als die flüsse mit ihren mäandern, umgeben von auen und sumpfland, noch ganze täler ausfüllten (bei pieter bruegel d.ä.)
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10.11.22
wären menschen handydisplays, so würde ihnen genug aufmerksamkeit zuteil

„die eigentliche lehre der psychoanalyse ist, daß das menschliche leben nie einfach ‘nur leben’ ist: menschen sind nicht einfach lebendig, sie sind besessen von dem seltsamen trieb, das leben exzessiv zu genießen, und hängen leidenschaftlich an einem überschuß, der hervorsticht und den normalen gang der dinge zum scheitern bringt.“ (slavoj žižek)
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30.10.22
die forststraße hinauf, zwei drei kehren im steilen buschland; fast schon serpentinen. unter hochspannung hindurch, vorbei an hochsitzen, die am ende der schneisen lauern – da und dort ein rosa salzstein in einem baumstrunk. später mitten im wald, noch immer sind autos zu hören, irgendwo im nebel die zersiedelte umgebung. vögel als ob frühling, die stämme erwartbar braun, laub: orange, gelb und alles dazwischen. in die lehne der bank mit etwas aussicht ist ein herz geritzt, über den abhang ragt eine kleine eiche hinaus; eichenlaub, matisse taucht auf, ein einziges blatt flattert. im grau erscheinen verschwinden lichter, rattert ein zug, flugzeug fern. inzwischen steht der nebel auch zwischen den bäumen und schnellen schrittes nähert sich die nacht
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23.10.22
„typische pionierhabitate können bei vulkanausbrüchen (lavaflächen, vulkanasche), großen bränden (vergl. karrikine), erdrutschen (schutt und geröll), veränderung der küstenlinie, überschwemmungen, nach dem rückzug eines gletschers, massenbewegungen oder anderen sedimentationen natürlicherweise entstehen. im kleinen maßstab ergeben sie sich ständig durch einfluss von tieren (fraß, wühltätigkeit). solche kleinen lücken können für die etablierung zahlreicher arten sehr bedeutsam sein. heute entstehen ausgedehnte pionierhabitate durch menschliche einwirkungen: nach künstlichen bodenbewegungen, in gruben und tagebauen und auf brach gefallenen nutzflächen.“ (wikipedia: pionierpflanze)
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17.10.22
wieder dröhnen die großen blätter im fall
und landen schwer bei den anderen

erneut zieht auf ein lautloser sturm

die haufen werden größer,
die haufen
wachsen empor

kein gebläse nicht
löste sie
wie eine mauer dicht
heraus aus ihrem dunklen geröll –

verschlüsselt,
wer die lösung weiß; keine
angst,
sie behielten es für sich
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13.10.22
„gleichzeitig bedeutet das, dass die wirklichkeit selbst eine art von lesbarer welt ist und kein fixum darstellt, das gänzlich anders als die bücher funktioniert. denn es gibt nichts in der welt und im selbst, zu dem wir einen direkten, von deutungen freien zugang besäßen. alles ist durch zeichen, symbole, sprache und texte vermittelt, ob es uns bewusst ist oder nicht. insofern beide, sowohl die wirklichkeit als auch die literatur, etwas in der schwebe halten und diversen deutungen offenstehen, sind sie nicht grundsätzlich voneinander zu trennen.“ (wikipedia: mimesis > paul ricœur)
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9.10.22
du wald, du
wie deine ränder,
deine bunten flächen
im späten licht
mich erwarten, mir verheißung
sind und hafen

du wald, du
zusammen mit den feldern,
dem himmel und ferner
den bergen, dem meer

teil der wolken und flüsse –
ich suche dich auf

teil meiner lichter

du wald, du
es reicht ein blick
auf eines deiner bilder
und ich bin ganz
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2.10.22
der wind ist schon längst am werk
als ich ans offene fenster zum garten trete
:
nachthelles gewölk flugzeugblink fragment
eines folgetonhorns
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26.9.22
nun wird das licht fahl, schräg aber klar
die wolken sich türmen, die blätter sich fallend
färben
nun wird der himmel weit die stadt groß und fremd beginnt eine neue zeit –
neujahrsfest mitten im herbst
nun bricht der sommer entzwei, ist frühling fern und dennoch aufbruch
durch ein tal voller wälder
fühlt es sich an wie fels

nun kommen die düfte zurück, säumen platanen alleen in ganz europa

nun treten die architektonischen formen wieder auf
nun folgt blauer himmel auf nasskalte morgen, gehen die leute
als führten sie ein anderes leben

nun dunkelt der flieder nach, bildet sich
bereits ein hohles rascheln am grund
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25.9.22
„uns so verhalten, als hätte es eine bedeutung, als gäbe es prinzipien und normen, als existierte ein erlösendes und rettendes gutes, das unserem handeln einen sinn verleiht.“ (olga tokarczuk: übungen im fremdsein, s. 61)
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20.9.22
die enorme sachlichkeit dieser wolken, frühabends (mitte september): hoch getürmt von grau bis weiß schattiert. kohleöfen in der kalten luft, klare sicht nach einem regentag mitten in die bewegung des dämmers hineinrollen. noch hell der abend, wie in einer anderen stadt. irgendwo, selbstvergessen in den hallen des herbsts; so hoch dieser himmel auf einmal – offen; nach oben offen und in jede richtung weit
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19.9.22
„aufbrechen aber nicht in sicheres fliehen.“ (jürgen becker: felder, s. 137)
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14.9.22
„er entwirft zugleich ein gegenbild dazu, einen ausweg sowohl aus dem mangel wie aus dem überfluss: die kunst.“ (oskar roehler: der mangel, klappentext)
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11.9.22
einer dieser
 sonnigen samstagvormittage im september, wenn das licht bereits anders und die luft klar; der wind. herbstliche fülle am bauernmarkt mitten in der großen stadt. das leben von außerhalb einen tag lang zu gast; tauschgeschäft direktverkauf, erdig hand in hand. kaufe einen bund blumen apfelsaft trauben. da und dort ein kurzes gespräch. sehnen nach einem ort, an dem ich nie war und den ich trotzdem kenne; momentlang geborgen. alles zugegen, ich umwoben, fern und nah zugleich
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4.9.22
„jede tat ist ihr eigenes denkmal.“ (viktor frankl)
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2.9.22
„charakteristisch für becker ist, dass die schrift immer in zusammenhang mit sinnlichen reizen steht. seine gedichte haben visuelle oder akustische auslöser, und in dem jeweiligen augenblick konstituiert sich das konkrete schreibende ich neu.“ (https://taz.de/gesammelte-gedichte-von-juergen-becker/!5863781/)

„immer wieder ist es jürgen becker gelungen, sich vom schweigen zu trennen, wie er es selbst sagt. und es ist eine große kunst – dieser dichter hat es konsequent bis in die gegenwart fortgeführt –, nicht sprachlos gemacht zu sein von den verstörungen, die der geräuschfilm der realität im kopf hinterlässt.“ (https://taz.de/gesammelte-gedichte-von-juergen-becker/!5863781/)